Bauphysik

 

Aus bauphysikalischer Sicht kann diese Bauweise als außerordentlich vorteilhaft angesehen werden. Allgemein kann gesagt werden, dass diese Bauweise zwei, bei anderen Bauweisen oft sich im Wege stehende Eigenschaften, vereinigt:

  • Extrem hoher Wärmedämmwert
  • Sehr hohe Wärmespeicherfähigkeit

Der extrem hohe Dämmwert ergibt sich aus der Struktur des Baustoffes „Strohballen“ und der konstruktiv vorgegebenen Dicke. Ein vergleichbarer Dämmwert könnte erst mit handelsüblichen Dämmstoffen in der Materialstärke von ca. 30 cm erreicht werden. Derartige Dämmstoffe hätten allerdings eine vollkommen unbefriedigende Wärmespeicherfähigkeit.

Die sehr gute Wärmespeicherfähigkeit ergibt sich dadurch, dass Stroh im weitesten Sinne den Holzbaustoffen zugerechnet werden muss. Gewichtsbezogen ist Holz von allen in der Natur vorkommenden Stoffen mit einer Wärmekapazität von 0,483 Wh / kgK der beste Wärmespeicher. Die Wärmekapazität von Stroh ist mit dem Wert 0,43 nur geringfügig geringer.

Vergleichsweise beträgt die Wärmekapazität von Kalksandsteinen mit 0,20 weniger als die Hälfte von Stroh.

Diese beiden Materialeigenschaften führen dazu, dass bei einem Strohballenhaus der Innenraumbereich nahezu vollkommen von den klimatischen Einflüssen abgekoppelt ist. 

Die den Heizenergieaufwand bestimmenden Energieverluste an der Gebäudeoberfläche sind äußerst gering. Die dämmenden Eigenschaften der Wandkonstruktion führen dazu, dass Temperaturänderungen im Innenraum sich an der Außenfläche praktisch nicht mehr auswirken. Der Transmissionswärmestrom kann mit annähernd Null angenommen werden.

Die hohe Wärmekapazität führt zu einer extrem langen Temperaturamplitude, sodass bei dieser Konstruktion im Wesentlichen nur ein stationärer Energiezustand gegeben ist. Damit kann gesagt werden, dass der Heizenergieaufwand nahezu ausschließlich zum Ausgleich von Lüftungswärmeverlusten dient.

Dies wird auch von den Eigentümern des ersten Musterhauses bestätigt, die ungewöhnlich geringe Heizkosten haben.